ZZ 27.8.15:Grüne Stadtratspolitiker sind von Biotop beeindruckt

ZEVEN/ASPE. Anlieger und Naturfreunde sorgen sich um das Honigmoor in Aspe (die Zevener Zeitung berichtete). Die auf Eis gelegten Ausbaupläne des Deutschen Milchkontors (DMK) sind nicht endgültig vom Tisch. Grund genug für die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen, sich an Ort und Stelle selbst ein Bild von der ökologischen Bedeutung des Areals zu machen.

Die Planungen zur Erweiterung des DMK-Werks in Zeven-Aspe haben die Mitglieder der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Zeven dazu veranlasst, sich mit Fachleuten des NABU-Kreisverbandes zu einer Ortsbegehung zu treffen. Claudia Oetinger, Birgit Wiesner und Ragnar Kaesche machten sich dabei gemeinsam mit dem stellvertretenden NABU-Kreisvorsitzenden Walter Lemmermann, der Landschaftsökologin Sabine Meyer und dem Naturschutzbeauftragen Dirk Israel mit dem Honigmoor vertraut und wurden über die ökologische Bedeutung des Gebietes aufgeklärt.

Pläne zum Ausbau der Molkerei liegen derzeit offenbar auf Eis

Die Ratsfraktion war über die Pläne der Nordmilch informiert, wollte die Gegebenheiten vor Ort aber selbst einmal begutachten und sich dabei von Fachleuten aus dem Naturschutz beraten lassen. „Derzeit sollen die Pläne zwar auf Eis liegen, das DMK hält aber an der Möglichkeit fest, sich auf dem Gebiet des Honigmoores zu vergrößern“, erläutert Ragnar Kaesche.

Die Kommunalpolitiker haben den NABU hinzugezogen, um eine politische Entscheidung zur möglichen zukünftigen Überbauung des Gebietes treffen zu können. Dabei betont Walter Lemmermann, dass der NABU sich nicht als Verhinderer von Bauprojekten sehe, sondern vielmehr das Augenmerk darauf lege, ob die vorherige Kartierung der vorhandenen Tier- und Pflanzenarten sorgfältig genug ausgeführt worden sei und wo die Ersatzmaßnahmen durchgeführt werden.

Kartierung wurde aus Zeitgründen zum Winter hin durchgeführt

Die Einschätzung zur ökologischen Bedeutung des Honigmoores stützt sich auf ein Gutachten des IfÖNN (Institut für Ökologie und Naturschutz Niedersachsen) in Bremervörde. Die Kartierung sei aus Zeitgründen zum Winter hin durchgeführt worden, erklärt Landschaftsökologin Sabine Meyer. „Das ist für viele Arten viel zu spät.“ Daher hätten die Gutachter des IfÖNN auch nicht erkennen können, dass es sich beim Honigmoor um ein wechselfeuchtes Gebiet handele, das im Frühjahr überstaut sei und im Sommer trocken falle.

„Wenn ich dann im September kartiere, kann man eben nicht alles sehen, was dort wirklich vorkommt. Das Planungsbüro hat dies aber auch im Gutachten klar festgestellt“, betont sie weiter. In ihren Augen müsse das Gebiet über einen längeren Zeitraum untersucht werden.

Das Honigmoor wirkt auf den ersten Blick wie ein Durcheinander aus Bäumen. Birken, Fichten und Kiefern prägen das Gebiet, darunter wachsen großflächig Torfmoose, Seggen und Gräser, aber auch Farne und kleinere Sträucher kommen vor. Doch was auf den Laien wie ein verwildertes Stück Wald wirkt, lässt bei den Fachleuten des NABU das Herz höher schlagen.

Boden ist im Honigmoor extrem lehmig und für Wasser undurchlässig

„Wir haben es hier mit einem Bruchwald zu tun. Und damit mit einem hochwertigen Biotop, wie es gerade im Nordkreis heute kaum noch eines gibt“, so die Landschaftsökologin weiter. „Die Probleme sind hier vorprogrammiert“, unterstreicht Walter Lemmermann. Denn der Boden sei extrem lehmig und undurchlässig, ein Grund für die vielen feuchten Bereiche. „Hier muss man schon eine Spundwand ziehen, wenn man bauen will.“

Auch Dirk Israel, ausgebildeter Förster und Naturschutzbeauftragter des Landkreises, wird euphorisch beim Anblick des versteckten Waldstücks. Das Gebiet sei hochwertig und habe sich lange relativ ungestört entwickeln können, was ein vielfältiges Arten-Repertoire möglich mache. „Ein solches Biotop auszugleichen ist schwer, wenn überhaupt möglich. Immerhin rechnet man mit einer Regenerationszeit von 150 Jahren für einen Bruchwald.“

Ausgleichsfläche in unmittelbarer Nähe dürfte kaum zu realisieren sein

Zudem werde gesetzlich verlangt, dass die Ausgleichsfläche im funktionalen Zusammenhang mit der auszugleichenden Fläche steht, damit Tiere in ihr neues Refugium wandern können. Doch das sei kaum umzusetzen. Israel gibt zu bedenken, dass bei den Planungen auch die Wasserrahmenrichtlinie berücksichtigt werden müsse, denn als Quellgebiet des Osenhorster Baches gehöre das Honigmoor zu den Biotopen, die in einem günstigen Zustand gehalten werden müssen. Dabei stelle sich auch die Frage, was mit dem vorhandenen Wasser passiere und wie eine Bebauung die umliegenden Flächen beeinflusse.

Die Vertreter des NABU befürchten, dass die Untere Naturschutzbehörde (der Landkreis) trotz all dieser Einwendungen und der Tatsache, dass das Gebiet nach Paragraph 30 Naturschutzgesetz geschützt ist, eine Ausnahmegenehmigung erteilen werde. „Die Behörde unterliegt einfach gewissen Zwängen“, sagt Lemmermann. Der Druck auf die zuständigen Mitarbeiter komme von vielen Seiten. „Das Planungsverfahren läuft, und man muss jetzt handeln, um das Honigmoor langfristig zu erhalten.“ Und das erfordere Gegendruck seitens der Lokalpolitiker und der Bevölkerung.

Die Ratsfraktion der Grünen war mehr als beeindruckt. Auch sie will das Honigmoor nicht einfach mit einem Federstrich der Zerstörung preis geben, sondern sich auf politischer Ebene für den Erhalt des kleinen, aber feinen Biotops einsetzen.

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