Zevener Zeitung 10.03.2012: Grüne Agrarpolitik zum Nutzen der Bauern

ELSDORF. Ohne Polemik, faktenund kenntnisreich erläuterte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Partei Bündnis90/Grüne im niedersächsischen Landtag, Christian Meyer (Foto), gestern die Schwerpunkte grüner Landwirtschaftpolitik vor den Mitgliedern des Zevener Landvolkverbandes, die sich zur Jahreshauptversammlung im „Elsdorfer Hof“ eingefunden hatten. Ziel sei es, eine „faire nachhaltige Landwirtschaft“ und gerechte Preise zu ermöglichen, betonte Meyer. Angesichts ungebremsten Höfesterbens bei gleichzeitigem Anstieg des Tierbestandes sei es an der Zeit, bei den Subventionen
umzusteuern – beispielsweise mit dem Ziel, eine Milchmengenreduzierung zu erreichen oder um eine artgerechte Weidehaltung zu fördern. Meyer erinnerte seine Zuhörer daran, dass die Landwirte von der eingeleiteten Energiewende als Biogas-, Solarstrom- und Windenergieerzeuger profitierten. Als Problem benannte der Politiker den Maisanbau, der zunehmend auch in der Öffentlichkeit in der Kritik stehe. Als Ziel grüner Agrarpolitik formulierte er, maximal 13 Prozent der Ackerfläche im Land für die Produktion von Energiepflanzen zu nutzen. Den Nachwachsende-Rohstoffe- Bonus (NawaRo) bezeichnete Meyer als Fehler. Es gelte, verstärkt auf Reststoffverwertung zu setzen und den „Boni-Dschungel“ zu lichten. Mit Blick auf die Biogasproduktion setzt er auf eine höhere Grundvergütung statt diverser Boni und verwies auf Versuche, die gezeigt haben, dass Biogasanlagen auch mit Wildkräutern wirtschaftlich zu betreiben seien. Der Abgeordnete plädierte dafür, den Flächenfraß von 17Hektar am Tag in Niedersachsen,
unter dem die Landwirtschaft leide, einzudämmen. Er sprach sich für Bürgerwindparks und Biogasanlagen in bäuerlicher Hand aus, wandte sich gegen industrielle Nutztierhaltung und forderte die Förderung nachhaltiger Landwirtschaft. 100 000 Tiere – ein Arbeiter Als Fehlentwicklung bezeichnete er Geflügelmast in Großstallanlagen. „Die bringen auch keine Arbeitsplätze– auf 100000 Tiere kommt ein Mitarbeiter“, unterstrich der Bündnisgrüne. Er warnte angesichts einer Überproduktion in Deutschland vor Investitionen in diesem Bereich. Anders als beim Geflügelfleisch sei Deutschland bei Bio-Produkten Importland. Niedersachsen ist laut Meyer Schlusslicht in Sachen Bio-Landwirtschaft – ein weiterer Ansatzpunkt, um bei der Agrarförderung umzusteuern. An die Adresse der Werbebranche richte er den Appell, in der Nahrungsmittelwerbung ehrlicher zu werden. Mit Blick auf die zunehmende Antibiotika-Resistenz von bakteriellen Krankheitserregern bezeichnete er die Landwirte als erste Opfer, denn sie seien es, die mit den resistenten Keimen in den Ställen als erstes in Berührung kämen. Ergo: Der Antibiotika- Einsatz in der Geflügelmast müsse drastisch reduziert werden – und zwar mit einer veränderten Haltung der Tiere. An den Vortrag schloss sich eine Diskussion mit dem Referenten an. (tk)

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